Vor allem in Industrieländern ist Übergewicht ein weit verbreitetes Problem, das weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen haben kann. Doch wie kommt es zu diesem Problem? Ab wann gilt man als übergewichtig und mit welchen Folgen muss man rechnen? Diese Fragen beantworten wir Ihnen im folgenden Beitrag.

Was ist Übergewicht?

Unter Übergewicht verstehen wir grundsätzlich eine Erhöhung des Körpergewichts, welche über das normale Maß hinaus geht. Zwischen Übergewicht und Fettleibigkeit gibt es allerdings einen Unterschied. Denn wer übergewichtig ist, ist nicht automatisch fettleibig. Schließlich kann die Erhöhung des Körpergewichts auch durch einen höheren Anteil an Muskelmasse entstehen, zum Beispiel bei Kraftsportlern oder Bodybuildern.

Wie Sie herausfinden können, ob Sie übergewichtig sind? Dazu gibt es grundsätzlich zwei gängige Möglichkeiten – den Borca-Index und den Body-Mass-Index (BMI). Der Borca Index besagt, dass das Normalgewicht eines Menschen gleich der Körpergröße minus 100 ist. Ein 1,80 m großer Mann sollte dementsprechend etwa 80 kg wiegen. Allerdings wird dabei weder die Körperzusammensetzung des Einzelnen berücksichtigt, noch eignet sich der Borca-Index für Menschen mit über- oder unterdurchschnittlicher Körpergröße.

Der Body-Mass-Index (BMI)

Der Body-Mass-Index ist die am weitesten verbreitetste Methode, um Über- oder Untergewicht festzustellen, da er für jede Körpergröße geeignet ist. Allerdings ist die Berechnung komplizierter und auch hier wird die Körperzusammensetzung des Einzelnen nicht berücksichtigt. Der Body-Mass-Index berechnet sich wie folgt:

BMI = Körpergewicht (in kg) : Körpergröße (m)²

Die folgende Tabelle hilft Ihnen, das erhaltene Ergebnis einzuschätzen:

Klassifizierung  BMI
Untergewicht < 18,5 
Normalgewicht 18,5 – 24,9 
Übergewicht 25 – 29,9 
Mäßiges Übergewicht (Adipositas Grad 1) 30 – 34,9 
Deutliches Übergewicht (Adipositas Grad 2)  35-39,9
Extremes Übergewicht (Adipositas Grad 3) > 40 

Übergewicht bei Männern

Bei deutschen Männern ist Übergewicht ein besonders weit verbreitetes Problem. Laut Statistiken sind rund drei Viertel aller Männern am Ende ihres Berufslebens zu dick. Allerdings sind auch bei den 30-35-jährigen Männern schon mehr als die Hälfte übergewichtig.

Dadurch können sich dramatische Folgen ergeben. Übergewicht kann sich schnell negativ auf die männliche Fruchtbarkeit auswirken. Dafür ist das Sättigungs-Hormon Leptin verantwortlich, welches im Fettgewebe gebildet wird und eigentlich dafür verantwortlich ist, dem Gehirn zu signalisieren, dass ausreichend Energie vorhanden ist. Allerdings sorgt es auch dafür, dass im Hoden weniger Testosteron gebildet wird. Dadurch kann es zum Absinken des Sexualtriebes und sogar zu Unfruchtbarkeit kommen.

Fettleibigkeit hat jedoch nicht nur negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit, sondern kann auch zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall) und Erkrankungen des Bewegungsapparates führen, wie zum Beispiel Arthrose. Dies gilt sowohl für Männer, als auch für Frauen.

Übergewicht bei Frauen

Frauen haben grundsätzlich einen höheren Körperfettanteil als Männer. Werte zwischen 25-30%, was bei Männern schon fettleibig wäre, ist bei Frauen noch normal. Im Gegensatz zu Männern neigen Frauen auch weniger zu Fettablagerungen am Bauch, sondern lagern dieses eher in den Hüften und an den Beinen ein.

Ein besonders weit verbreitetes Problem, mit dem übergewichtige Frauen zu kämpfen haben, ist die Bindegewebsschwäche. Der Grund dafür ist die unterschiedliche Anordnung der Bindegewebsstrukturen. Bei Frauen können wachsende Fettzellen das Gewebe nach oben ausdehnen, was sichtbare Dellen hervorruft – Cellulite.

Die Bindegewebsschwäche ist nicht nur ein optisches Problem, sondern kann auch zu starken Schmerzen und Aussackungen der Gefäße führen. Die sogenannten Krampfadern können sich wiederum negativ auf den Blutdruck auswirken.

Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen

Meistens zeigt sich Übergewicht schon im Kindesalter, wo es auch die ersten negativen Auswirkungen hervorruft. Etwa jedes sechste Kind gilt als zu dick. Die Ursachen dafür sind meist unzureichende Bewegung sowie eine falsche Ernährung.

Vor allem bei Jungen kann Fettleibigkeit schwerwiegende Folgen mit sich bringen. Übergewicht bei jungen Männern kann nämlich den Eintritt der Pubertät verzögern und die Funktion der Hoden bereits vor Eintritt der vollständigen Geschlechtsreife einschränken.

Ein Grund dafür ist, dass der menschliche Körper aus Fettgewebe das sogenannte Östradiol herstellen kann – einen Abkömmling von Östrogen, dem weiblichen Geschlechtshormon. Das bedeutet, je mehr Körperfett vorhanden ist, desto mehr Östradiol wird gebildet und desto stärker sinkt der Testosteronspiegel. Dadurch kann es zu einer maßgeblichen Einschränkung der pubertären Entwicklung kommen.

Nicht zu vernachlässigen ist auch der soziale Aspekt. Denn übergewichtige Kinder und Jugendliche gelten häufig als Außenseiter und haben es schwerer, sich in ein soziales Gefüge zu integrieren. Diese Problematik kann sich bis ins Erwachsenenalter ziehen und den Umgang mit Anderen maßgeblich beeinträchtigen.

Was ist Untergewicht?

Wer dünn ist, ist automatisch gesünder? Das Stimmt so nicht. Denn auch mit dem Abnehmen kann man es übertreiben. In Deutschland gelten etwa 2 Millionen Menschen als untergewichtig. Dies kann genau wie Übergewicht schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

Dabei sind deutlich mehr Frauen von diesem Problem betroffen als Männer. Die Ursache liegt hier nicht etwa in einer falschen Ernährung oder zu viel Bewegung, sondern ist eher in der Psyche der Betroffenen verankert. Jungen Mädchen wird häufig ein falsches Körperideal vermittelt.
Das kann dazu führen, dass sie ihre Ernährung auf ein Minimum reduzieren und so ein Körpergewicht erreichen, das deutlich unter dem Normbereich liegt (BMI <17). Dadurch kann es zu schweren Mangelerscheinungen kommen, die im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen können.

Bauchumfang und Fettverteilung

Der BMI oder der Borca-Index sind gute Möglichkeiten, um das Übergewicht des Einzelnen einzuschätzen. Allerdings wird dabei nicht berücksichtigt, wo das Fett liegt, was jedoch maßgeblich entscheidend für das gesundheitliche Risiko ist.

Denn Fett im Bereich der Hüften oder Beine gilt als deutlich weniger gesundheitsschädlich, als Fett im Bauchraum und an den inneren Organen. Bauchfett steht im Verdacht, deutlich mehr Leptin zu produzieren und sich stärker auf den männlichen Hormonspiegel auszuwirken.

Darüber hinaus ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen um einiges höher, wenn ein Großteil des Körperfetts im Bauchraum eingelagert ist. Fett an den inneren Organen kann deren Funktion sehr stark beeinträchtigen und im schlimmsten Fall sogar zu Organversagen führen.

Wie hoch Ihr gesundheitliches Risiko ist, können Sie ganz einfach selbst einschätzen, indem Sie Ihren Taillenumfang mit einem Maßband messen. Die Messung sollten Sie im Stehen und mit freiem Oberkörper durchführen. Legen Sie das Maßband dazu auf der Höhe Ihres Bauchnabels an und führen Sie es in einer geraden Linie um den Bauch.

Bei einem BMI über 25 und einem erhöhten Bauchumfang besteht ein deutlich höheres gesundheitliches Risiko. Bei Frauen sollte der Bauchumfang 88 cm nicht übersteigen. Bei Männern sollte der Bauchumfang nicht über 102 cm liegen.

Die globale Verbreitung von Übergewicht

Laut Statistiken waren im Jahr 2014 rund 1,9 Milliarden Menschen weltweit übergewichtig (BMI über 25). Ungefähr 600 Millionen Menschen wiesen sogar starkes Übergewicht (BMI über 30) auf.

Seit 1975 ist die Zahl der Übergewichtigen vor allem in zwei Regionen besonders drastisch gestiegen – in den Inselstaaten des Südpazifik (26%) und in den arabischen Ländern (25%). Auch die USA sind mit etwa 30% der Bevölkerung stark von Übergewicht betroffen. Die dickste Bevölkerung hat jedoch mit Abstand Französisch-Polynesien. Dort gilt fast jeder zweite Mann als deutlich zu dick.

In Europa ist der Anteil an übergewichtigen Menschen in den letzten Jahren nur mäßig gestiegen. Etwa 21% der Europäer gelten als zu dick. Die Bevölkerung von Malta sichert sich mit ungefähr 26% den ersten Platz. Rumänien hat mit 9,4% an Übergewichtigen Menschen die dünnste Bevölkerung. Deutschland reiht sich mit circa 21,5% ins obere Mittelfeld ein.

Verbreitung von Übergewicht in Deutschland

Auch wenn Deutschland in Sachen Übergewicht nicht zu den Spitzenreitern gehört, nimmt die Zahl der Übergewichtigen stetig zu. Derzeit gelten etwa 59% der deutschen Männer und 37% der deutschen Frauen als übergewichtig.

Bei Kindern ist jedoch eine positive Entwicklung zu verzeichnen. In den letzten Jahren war die Zahl der adipös eingeschulten Kinder leicht rückläufig.

Weniger erfreulich ist jedoch die Zahl der adipösen Bevölkerung (BMI > 30). Seit 1999 ist die Anzahl der adipösen Männer in Deutschland um etwa 40% gestiegen. Bei den Frauen war ein Anstieg von rund 24% zu verzeichnen. Außerdem sehr auffällig ist die Anzahl der extrem adipösen Senioren (BMI > 40). Bei Männern ist seit 1999 ein Anstieg von besorgniserregenden 300% zu verzeichnen. Bei den Frauen ist es mit 185% etwas mehr als die Hälfte.

Was sind die Ursachen von Übergewicht?

Der Grund für die Verbreitung liegt in unseren heutigen Lebensumständen. Wir müssen uns nicht mehr viel bewegen, um an Lebensmittel zu kommen. Ganz im Gegenteil. Sie sind rund um die Uhr in rauen Mengen verfügbar.

Dazu kommt, dass die westliche Ernährung geprägt von vielen Nahrungsmitteln mit einer hohen Energiedichte ist, wie zum Beispiel Getreideprodukte, Fast Food und Süßigkeiten. Davon können wir sehr viel essen und dadurch schnell einen hohen Überschuss an Kalorien zu uns nehmen. Dazu kommen meist noch süße, zuckerhaltige Getränke, die ebenfalls sehr viele Kalorien enthalten, ohne dabei überhaupt zu sättigen.

Ein weiterer Grund für den hohen Verbreitungsgrad von Übergewicht ist die Tatsache, dass Arbeit immer mehr im Sitzen ausgeführt werden kann. Selbst kürzere Strecken werden meist mit dem Auto zurückgelegt. Dadurch ist unsere körperliche Aktivität und damit auch unser Energieverbrauch drastisch gesunken.

Zusammengefasst sind es zwei Faktoren, deren Zusammenspiel für den hohen Anstieg an übergewichtigen Menschen verantwortlich ist:

  • Ständige und kostengünstige Verfügbarkeit von Lebensmitteln mit hohem physiologischen Brennwert
  • Verringerte körperliche Aktivität bzw. geringerer Energieverbrauch

Allgemeine Risikofaktoren für Übergewicht

Neben den zwei genannten Faktoren gibt es jedoch noch einige weitere Ursachen, die langfristig zu Übergewicht führen können. Beispielsweise kann Übergewicht auch durch Stress entstehen, wenn sich daraus eine Depression oder eine Essstörung entwickelt.

Auch Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis, wobei es sich um eine immunbedingte Schilddrüsenentzündung handelt, welche mit einer Schilddrüsenunterfunktion einhergeht, können der Grund für Übergewicht sein.

Eine herkömmliche Stoffwechselstörung kann ebenfalls zur Fettleibigkeit beitragen. Die Hormone der Schilddrüse sind maßgeblich am Stoffwechsel beteiligt. Eine verminderte Produktion dieser Hormone führt in fast jedem Fall zu Übergewicht.

Übergewicht kann viele Ursachen haben. Beobachten Sie sich selbst und seien ehrlich zu sich, ob einer oder mehrere der folgenden Punkte auf Sie zutreffen:

  • Überernährung
  • Bewegungsmangel (geringer Energieverbrauch)
  • Befriedigungsverhalten (Naschen)
  • Hoher Fructose-Anteil stimuliert die Einlagerung von Fetten
  • Psychologische Faktoren (z.B. Depressionen, Essstörung)
  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • Stoffwechselstörungen
  • Schlafmangel und Nachtarbeit

Risikofaktoren bei Kindern:

  • Genetische Faktoren (elterliches Übergewicht)
  • Hohes Geburtsgewicht
  • Schlafmangel
  • Geringe körperliche Aktivität
  • Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft
  • Übermäßig kalorienreiche Ernährung
  • Psychische Faktoren

Die Folgen von Übergewicht

Neben psychischen Faktoren und Einschränkungen der Lebensqualität kann Übergewicht zahlreiche weitere negative Auswirkungen auf den menschlichen Organismus zur Folge haben.

Schnarchen und Schlafapnoe durch Übergewicht

Entgegen verbreiteter Meinungen setzt sich überschüssiges Fett nicht nur am Bauch und an den Hüften ab. Ganz im Gegenteil. Der gesamte Körper ist von den zusätzlichen Fettpolstern betroffenen – auch die Zunge.

Dazu kommt noch, dass auch der Hals bei Übergewichtigen an beiden Seiten dicker ist, wodurch insgesamt deutlich mehr Druck auf der Luftröhre lastet. Wenn nun die Rachenmuskulatur im Schlaf erschlafft, was völlig normal ist, kann sie dem Druck nicht mehr standhalten. So kann es durch Übergewicht zum Schnarchen oder im schlimmeren Fall auch zu einer Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) kommen.

Übergewicht und verstärktes Schwitzen

In den meisten Fällen ist es so, dass übergewichtige Menschen auch zu stärkerem Schwitzen neigen, was von Medizinern auch als Hyperhidrose bezeichnet wird. Grundsätzlich handelt es sich hierbei natürlich um eine völlig normale Körperfunktion, die den menschlichen Körper unter starker Belastung oder bei hohen Temperaturen vor Überhitzung bewahren soll.

Zwei Faktoren sind dafür verantwortlich, dass Übergewichtige stärker schwitzen. Zum einen ist es natürlich die bessere Wärmeisolierung. Zum anderen ist es auch die größere Last, die Fettleibige mit sich herumtragen und die auch leichte körperliche Aktivitäten zu einer hohen Belastung macht. Dabei entsteht im Körper auch mehr Wärme, was wiederum durch das Schwitzen kompensiert werden muss.

Höhere Wahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes durch Übergewicht

Grundsätzlich handelt es sich bei Diabetes um einen Insulinmangel oder eine schlechte Insulinsensitivität, welche sich durch einen hohen Blutzuckerspiegel auszeichnet. Übergewicht kann das Risiko für Diabetes mellitus Typ-2 um das dreifache erhöhen.

Der Grund dafür ist, dass das überschüssige Fett die Muskeln mit Energie in Form von Glucose versorgt. In Kombination mit der bereits durch die Nahrung aufgenommenen Energie kommt es dadurch zu einer drastischen Erhöhung des Blutzuckerspiegels, welcher durch eine gesteigerte Hormonproduktion der Bauchspeicheldrüse (Insulin) ausgeglichen werden soll.

Mit der Zeit entsteht dadurch eine Insulininsnsitivität, d.h. Ihre Zellen wollen bei gleicher Menge Insulin immer weniger Zucker aus dem Blut aufnehmen. Dadurch bleibt zeitweilig zu viel Zucker im Blut und es kommt zu einer Hyperglykämie (Überzuckerung). Hält dieser Zustand an, haben Sie Diabetes.

Verminderte Kondition und Sauerstoffmangel durch Übergewicht

Die verminderte Kondition in Verbindung mit Sauerstoffmangel entsteht bei Übergewichtigen ebenfalls durch die höhere Körpermasse, welche auch leichte körperliche Aktivitäten verhältnismäßig sehr anstrengend werden lässt. Atemnot durch Übergewicht ist daher keine Seltenheit.

Dazu kommt, dass Übergewichtige auch mehr Blut in Ihrem Körper haben. Dadurch muss das Herz stärker arbeiten und kann bei hoher Aktivität „überlastet“ werden, was sich unter anderem dadurch bemerkbar macht, dass Menschen mit Übergewicht schnell außer Atem geraten.

Psychische Folgen durch Übergewicht

Nicht zu vernachlässigen sind auch die psychischen Folgen, welche durch Übergewicht entstehen. Nicht selten fühlen sich übergewichtige Menschen nicht attraktiv und leiden an einem verminderten Selbstvertrauen. Im schlimmsten Fall können sogar Depressionen durch das Übergewicht entstehen.

Dazu kommt, dass das erhöhte Körpergewicht die Betroffenen auch in ihren Freizeitaktivitäten eingeschränkt. Der Gang ins Schwimmbad oder andere öffentliche Einrichtungen ist oft mit Ängsten verbunden, was häufig dazu führt, dass sich Übergewichtige selbst ausgrenzen.

Belastung von Knochen und Gelenken durch Übergewicht

Das zusätzliche Gewicht stellt natürlich auch eine enorme Belastung für den gesamten Bewegungsapparat dar. Über einen längeren Zeitraum kommt es dadurch unweigerlich zur Entstehung von Verschleißerscheinungen und anderen chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates. Vor allem Rückenschmerzen sind bei Übergewicht weit verbreitet.

Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Übergewichtige Menschen haben Grundsätzlich ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dafür verantwortlich ist unter anderem die höhere Blutmenge, wodurch das Herz stärker arbeiten muss. Bluthochdruck kann bei Übergewicht bereits in jungen Jahren entstehen.

Ein zusätzliches Risiko stellt die oft ungesunde, fettige Ernährung dar, welche das Risiko für Arteriosklerose erhöht und damit auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigert.

Schwangerschaft und Übergewicht

Bei Frauen mit Adipositas, also einem BMI von über 30, kann das Übergewicht den Verlauf der Schwangerschaft negativ beeinflussen. Übergewichtige Frauen haben in der Schwangerschaft grundsätzlich ein höheres Risiko für Komplikationen, wie zum Beispiel Schwangerschaftsdiabetes oder Früh- und Fehlgeburten.

Darüber hinaus kann sich das Übergewicht der Mutter auch negativ auf die Gesundheit des Kindes auswirken. Denn schottische Forscher fanden heraus, dass Übergewicht in der Schwangerschaft den Stoffwechsel des ungeborenen Kindes dauerhaft negativ beeinflussen kann. Dadurch neigen die Kinder übergewichtiger Frauen schon von Hause aus zu Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Daher sollten Frauen mit Übergewicht ihren Körperfettanteil reduzieren, bevor sie schwanger werden. So tun sie nicht nur der eigenen Gesundheit etwas Gutes, sondern auch der des ungeborenen Kindes.

Diäten und Abnehmen während der Schwangerschaft

Viele Frauen haben Angst, in der Schwangerschaft zu viel Gewicht zuzunehmen. Eine Diät ist allerdings nicht ratsam, da das ungeborene Kind die Nährstoffe für eine ungehinderte Entwicklung dringend benötigt.
Dabei sollte auch immer bedacht werden, dass eine Gewichtszunahme während der Schwangerschaft völlig normal ist. Schließlich wächst das ungeborene Kind, die Brüste werden größer und die Blutmenge steigt an.

Bei normalgewichtigen Frauen gilt eine Gewichtszunahme bis zu 15 kg als normal. Übergewichtige Frauen sollten nicht mehr als 11 kg zunehmen.

Werden Therapiemaßnahmen gegen Übergewicht von der Krankenkasse bezahlt?

Therapiemaßnahmen gegen Übergewicht, wie zum Beispiel eine stationäre Kur oder eine Operation, können grundsätzlich von den Krankenkassen übernommen werden, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Insbesondere eine ärztliche Untersuchung, bei der die Dringlichkeit der Therapie nachgewiesen wird, entscheidet darüber, ob die Kosten von den Krankenkassen getragen werden.

Die besten Chancen auf Hilfe von den Krankenkassen bei Übergewicht haben Sie jedoch als privat versicherte Person. Denn hier ist in fast allen Fällen eine 100 prozentige Kostenübernahme gewährleistet. In seltenen Fällen kann es jedoch sein, dass ein Risikozuschlag fällig wird.

Medizinische Diagnose von Übergewicht

In den meisten Fällen reicht schon ein Blick auf die äußerliche Erscheinung, um Übergewicht festzustellen. Für eine medizinische Diagnose sind natürlich verschiedene diagnostische Verfahren notwendig, welche außerdem dazu dienen, den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten sowie mögliche sekundäre Erkrankungen festzustellen.

  • Anamnese: Während der Anamnese überprüft der Arzt die gesamte Krankengeschichte des Patienten und versucht, Zusammenhänge zum möglicherweise vorliegenden Übergewicht zu erkennen.
  • Blutanalyse: Die Blutanalyse ermöglicht es den Ärzten, verschiedene Parameter, wie zum Beispiel die Blutfettwerte oder den Blutzuckerspiegel zu ermitteln, welche auf ein möglicherweise vorliegendes Übergewicht hindeuten könnten.
  • Blutdruckmessung: Übergewicht geht nicht selten mit einer Erhöhung des Blutdrucks einher. Daher ist die Blutdruckmessung ein fester Bestandteil der Diagnostik von Übergewicht, um auch mögliche sekundäre Erkrankungen festzustellen.
  • EKG: In den meisten Fällen wird ein sogenanntes Belastungs-EKG durchgeführt. Hierbei wird die Tätigkeit des Herzens unter hoher körperlicher Belastung überwacht, um herauszufinden, inwiefern sich das Übergewicht bereits auf die körperliche Belastbarkeit ausgewirkt hat.
  • Ultraschall von Gallenblase und Leber: Durch Übergewicht kann es auch zu einer Leberverfettung oder zu Gallensteinen sowie anderen Funktionsstörungen der Gallenblase kommen. Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über den Zustand der Organe liefern.

Therapie gegen Übergewicht

Übergewicht gilt in unseren Breitengraden als Volkskrankheit. Neben Diäten und Sport wurden zahlreiche Therapiemaßnahmen entwickelt, um krankhaftem Übergewicht entgegenzuwirken. Im folgenden Abschnitt erfahren Sie, was man gegen Übergewicht unternehmen kann und wann diese Therapiemaßnahmen notwendig sind.

Wann sind Therapiemaßnahmen notwendig? Wann sind sie empfohlen?

Therapiemaßnahmen gegen Übergewicht werden grundsätzlich dann empfohlen, wenn durch das Übergewicht schwere körperliche Einschränkungen entstanden sind oder lebensbedrohliche Folgen erwartet werden.

Was kann ich gegen Übergewicht tun? 7 Methoden um das Übergewicht loszuwerden

Um Übergewicht zu reduzieren, stehen Ihnen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Viele können auch ohne ärztliche Aufsicht oder die Einnahme von Medikamenten erfolgen.

  1. Ernährung und Diät: Wer sein Übergewicht abnehmen möchte, sollte zuerst die Lebensumstände verändern, die zur Entstehung des Übergewichts geführt haben. Eine entsprechende Ernährungsumstellung ist der erste Schritt, der unweigerlich erfolgen muss, um das Körpergewicht langfristig zu reduzieren.
  2. Sport und Bewegungsprogramme: Sport sollte auch mit Übergewicht unbedingt in den Alltag integriert werden. Laufen oder Joggen ist mit starkem Übergewicht allerdings keine gute Idee, da dies eine zu hohe Belastung für die Gelenke darstellen würde. Alternativen wie Schwimmen, Walken oder Fahrradfahren sind bei Übergewicht besser geeignet.
  3. Selbsthilfegruppe (Austausch mit Betroffenen): Vor allem für den psychischen Aspekt ist eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Übergewicht sehr sinnvoll. Dort können sie sich mit Gleichgesinnten austauschen, neue Kontakte knüpfen und wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Wer nicht die Möglichkeit hat, eine entsprechende Selbsthilfegruppe aufzusuchen, kann sich alternativ auch in einem Forum für Übergewichtige anmelden.
  4. Verhaltenstherapie: Als psychotherapeutische Maßnahme soll die Verhaltenstherapie Übergewichten helfen, aus Ihren alten Gewohnheiten und Verhaltensmustern auszubrechen und neue Gewohnheiten zu schaffen, die einem gesunden Lebensstil dienlich sind.
  5. Familienbasierte Therapie (bei Kindern): Bei übergewichtigen Kindern ist es sinnvoll, die gesamte Familie in die Verhaltenstherapie zu integrieren, da auch häufig die Eltern maßgeblich für die ungünstigen Essgewohnheiten ihres Kindes verantwortlich sind.
  6. Medikamentöse Therapie: Wenn mit Sport und körperlicher Aktivität nicht die gewünschten Erfolge erzielt werden, besteht noch die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie. Verschiedene Medikamente gegen Übergewicht, wie zum Beispiel Appetitzügler, unterstützen den Betroffenen beim Abnehmen.
  7. Vitamin-D-Therapie: Vermutungen zufolge kann auch ein zu niedriger Vitamin-D-Spiegel für Übergewicht verantwortlich sein. Der Grund dieser Annahme ist, dass übergewichtige Menschen häufig einen zu niedrigen Serumspiegel dieses Vitamins aufweisen. Ob die Einnahme von Vitamin-D-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln zur Reduzierung von Übergewicht beitragen kann, ist allerdings nicht vollständig geklärt.

Adipositaschirurgie als Therapie?

Falls sich das Übergewicht durch eine gesündere Lebensführung nicht beseitigen lässt, besteht als letzte Option noch die Möglichkeit von chirurgischen Eingriffen.

Eine dieser Möglichkeiten ist zum Beispiel die Einsetzung eines Magenbandes. Dadurch kommt es zu einer Verkleinerung des Magens, wodurch der Patient nur noch sehr geringe Mengen an Nahrung zu sich nehmen kann.

Eine weitere Möglichkeit bei sehr starkem Übergewicht bietet auch ein Magenbypass. Hierbei wird der Magen ebenfalls verkleinert und der Weg des Nahrungsbreis zum Dünndarm wird verkürzt. So kann der Patient nicht nur weniger essen, sondern der Organismus nimmt auch weniger Nährstoffe auf.

Die Risiken der Adipositaschirurgie:

Die Adipositaschirurgie sollte jedoch wirklich nur als letzter Ausweg gesehen werden, da die Eingriffe in jedem Fall mit gewissen Risiken einhergehen. Die folgenden Risiken sind zu erwarten:

  • Gestörte Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen, Fett und Eiweiß
  • Gestörter Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt
  • Durchfall
  • Fettstuhl
  • Gallensteine
  • Erhöhtes Risiko für Nierensteine

Darüber hinaus besteht bei Übergewichtigen durch die erhöhte Körperfülle allgemein ein erhöhtes Risiko bei Operationen. Im Bauchraum ist nur wenig Platz und nicht selten ist auch die Leber vergrößert, wodurch ein erhöhtes Risiko besteht, während einem operativen Eingriff umliegende Organe, Gefäße oder Nerven zu verletzen.

Aktuelle Studien klären das Adipositas-Paradoxon

Laut dem Adipositas-Paradoxon sollen Übergewichtige mit einem BMI über 26 bei bestimmten chronischen Erkrankungen bessere Überlebenschancen haben, als Normalgewichtige mit einem BMI unter 25. Durch diese Theorie entstand die Annahme, leichtes Übergewicht wäre gesund. Erstmals beschrieben wurde das Adipositas-Paradoxon 1999. Allerdings wurde 2016 die bislang umfassendste Studie zu diesem Thema veröffentlicht, deren Ergebnisse der Theorie widersprechen.

Diese Studie besagt, dass bereits ab einem BMI von 25 und jedem weiteren Kilogramm das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Atemwegserkrankungen sowie Krebs steigt. Das Adipositas-Paradoxon soll auf verzerrten Daten beruhen, da unter den Studienteilnehmern viele Menschen waren, die rauchten oder diverse chronische Krankheiten hatten. Chronische Krankheiten sowie Rauchen senkt das Gewicht und sorgt damit für einen niedrigeren BMI bei gleichzeitig erhöhtem Sterberisiko.

Soziale und gesellschaftliche Aspekte des Übergewichts

Übergewichtige haben seit jeher einen schweren Stand in der modernen Gesellschaft. Sie werden häufig als faul und behäbig angesehen und meistens selbst für ihr Problem verantwortlich gemacht. In manchen Fällen mag das zutreffen, jedoch gibt es auch zahlreiche Erkrankungen, die der Grund für Übergewicht sein können.

Leider führen diese Annahmen häufig zu Schwierigkeiten im sozialen Miteinander. Im schlimmsten Fall kommt es zur sozialen Isolation und zu Störungen im Umgang mit den Mitmenschen.

Wie lässt sich Übergewicht vorbeugen?

Um Übergewicht vorzubeugen, gibt es mindestens genauso viele Möglichkeiten, wie es Beschwerden durch zu viele Kilos auf den Rippen gibt. Die Grundlage dazu stellt immer ein gesunder und ausgewogener Lebensstil dar.

Regelmäßige Bewegung

Bewegung ist das erste und wichtigste Mittel als vorbeugende Maßnahme gegen zu viele Kilos auf der Waage. Besonders wichtig dabei ist, dass Sie sich regelmäßig bewusst bewegen, im besten Fall mehrmals pro Woche. Nur so hat Ihr Körper die Möglichkeit, sich an die Belastung zu gewöhnen und sich entsprechend anzupassen. Darüber hinaus ist es effektiver, täglich Kalorien zu verbrennen, als einmal die Woche alles auf einmal. Am Freitag hat Ihr Körper die Kalorien vom Montag schon lange eingelagert und das gibt er nur ungerne wieder her. Lieber gleich am Montag bewegen, dann hat der Körper keine Zeit, Fettpölsterchen aufzubauen. 

Auch die Wahl der richtigen Sportart ist hier von entscheidender Bedeutung. Joggen ist für Anfänger mit Übergewicht eher ungeeignet, da es gerade bei regelmäßiger Ausführung eine enorme Belastung für die Gelenke darstellt. Besser geeignet sind gelenkschonende Sportarten, dazu zählen unter anderem:

  • Power-Walking
  • Fahrradfahren
  • Schwimmen
  • Inline skaten

Jede Möglichkeit zur Bewegung nutzen

Jede Bewegung verbrennt Kalorien. Mittlerweile haben wir uns sehr stark an den hohen Komfort in unserer heutigen Konsumgesellschaft gewöhnt und erachten es als völlig normal, Fahrstühle zu nutzen oder mit dem Auto einkaufen zu fahren.

Machen Sie es anders als die Anderen und gehen Sie mal zu Fuß oder nehmen Sie die Treppe. Auch wenn dadurch pro Tag nur ein paar zusätzlich verbrannte Kalorien zusammenkommen, ergibt sich auf einen Monat oder ein ganzes Jahr gesehen ein gewaltiger Unterschied.

Ändern der Essgewohnheiten

Übergewicht resultiert häufig aus einem ungesunden Essverhalten. Viele kleine Zwischenmahlzeiten und Snacks führen langfristig zu einer Gewichtszunahme. Beschränken Sie sich lieber auf drei feste Mahlzeiten pro Tag und nehmen Sie diese nach Möglichkeit immer zur selben Uhrzeit ein.

Fettarme Ernährung

Fett ist nicht zwangsläufig schlecht. Damit alle wichtigen Stoffwechselprozesse ungehindert ablaufen können, benötigt Ihr Körper auch Fettsäuren. Mit 9 kcal pro Gramm hat Fett allerdings mehr als doppelt so viele Kalorien, wie Kohlenhydrate und Eiweiß.

Wenn Sie naschen und daher nicht aus Hunger essen, sondern aus emotionalen Gründen, wählen Sie hier lieber fettarme Speisen. Wenn Sie Fette zu sich nehmen, dann achten Sie bitte auf gesunde Fette, wie sie zum Beispiel in Fisch oder Nüssen enthalten sind.

Weniger Fast Food, Alkohol, Tabak und Zucker

Bei Genussmitteln gilt grundsätzlich: Die Menge macht das Gift. Es ist nichts dabei, abends mal ein Bier zu trinken oder ein Stück Schokolade zu essen. Jedoch sollten Sie in Maßen genießen und die Genussmittel keinesfalls zu einer täglichen Gewohnheit werden lassen.

Regelmäßige Kontrolle des Körpergewichts

Damit Sie beim Abnehmen langfristig motiviert bleiben, müssen Sie sich natürlich Ihre Erfolgserlebnisse abholen. Da Sie im Spiegel nicht jedes verlorene Kilo sehen können, sollten Sie mindestens einmal pro Woche auf die Waage steigen.

Achten Sie darauf, dass Sie sich nach Möglichkeit immer zur gleichen Uhrzeit und unangekleidet wiegen.

Was unternimmt die Politik gegen die Verbreitung von Übergewicht?

Die Politik hält sich bei dieser Problematik eher bedeckt. Zwar gab es hin und wieder den Vorschlag, eine Kalorien- oder Zuckerampel auf die Verpackungen von Lebensmitteln zu drucken, jedoch hat sich diese Idee bei den regierenden Parteien bisher nicht durchgesetzt. Der Widerstand der Zuckerindustrie ist dabei nicht zu unterschätzen.