Obwohl Diabetes bereits in der Antike bekannt war, ist er erst vor kurzem zur großen Volkskrankheit unserer Zeit geworden.

Während 1985 nur 30 Millionen Menschen weltweit an Diabetes erkrankt waren, hat sich die Zahl der Betroffenen in knapp 30 Jahren mehr als verzehnfacht. 2013 zählte die IDF (International Diabetes Foundation) weltweit 382 Millionen Menschen mit Diabetes. Für das Jahr 2035 prognostiziert sie 592 Millionen Erkrankte.

Diabetes ist eine ernstzunehmende Krankheit. Unbehandelt fördert sie Folgekrankheiten, die das Leben stark beeinträchtigen oder sogar zum Tod führen können. Da der häufigste Diabetes (Typ 2) größtenteils vom Lebensstil abhängt, ist er gut behandelbar und lässt sich schon im Vorfeld vermeiden.

In diesem Beitrag erfahren Sie, an welchen Symptomen Sie Diabetes erkennen, welche Typen es gibt, wie sich Diabetes behandeln lässt und wie Sie die Ursachen vermeiden können.

Diabetes Definition

Diabetes mellitus, kurz Diabetes oder im Volksmund auch Zuckerkrankheit umfasst eine Gruppe von Stoffwechselstörungen, die einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel verursachen. Die wichtigsten Formen des Diabetes sind der sogenannte Typ 1 und Typ 2.

Regulation des Blutzuckerspiegels

Um zu verstehen, auf welche Weisen der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht werden kann, erklären wir Ihnen kurz, wie sich der Blutzuckerspiegel bei gesunden Menschen reguliert.

Nehmen Sie bei einer Mahlzeit Kohlenhydrate auf, werden diese durch Verdauungssäfte in ihre kleinsten Zuckereinheiten (u.a. Glukose) zerlegt. Diese Einzelzucker können im Dünndarm die Darmwand passieren und gelangen so ins Blut.

Merkt Ihr Körper, dass sie etwas essen, das Glukose enthält, beginnt Ihre Bauchspeicheldrüse damit, das Hormon Insulin zu produzieren. Wenn die Glukose es also in die Blutbahn geschafft hat und damit den Blutzuckerspiegel erhöht, wartet im Normalfall bereits das Insulin auf sie.

Dieses Hormon „klopft quasi bei den Zellen an“ und ermöglicht es den Zuckermolekülen aus dem Blut in die Zellen zu gelangen. Je nachdem, wie viel Zucker da ist und wie viel Arbeit die jeweilige Zelle zu tun hat, verbrennt die Zelle den Zucker gleich zu Energie oder speichert ihn erstmal für später ab.

Kann Glukose vom Blut in die Zellen gelangen, sinkt der Zuckerspiegel im Blut ab.

Diabetes Typ 1

Der Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse fälschlicherweise nicht als körpereigen erkennt, sondern als fremd und gefährlich. In dieser Folge zerstört das Immunsystem die sogenannten ß-Zellen und die Bauchspeicheldrüse kann kein Insulin mehr herstellen.

Ohne Insulin kann die Glukose aus dem Blut nicht in die Zellen gelangen. Patienten mit Diabetes Typ 1 müssen darum Zeit ihres Lebens Insulin spritzen.

Diabetes Typ 2

Beim Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse anfangs ausreichend Insulin. Allerdings reagieren die Zellen zunehmend unempfindlich auf das Hormon. Um diese Insulinresistenz auszugleichen, muss die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin produzieren, um dieselbe Menge an Glukose aus dem Blut in die Zellen zu schleusen.

Diese Überlastung schaffen die ß-Zellen auf Dauer nicht. Sie erschöpfen und produzieren mit der Zeit immer weniger Insulin, obwohl sich der Bedarf gleichzeitig immer weiter erhöht.

Der Körper kann Glukose demnach immer schlechter aus dem Blut in die Zellen aufnehmen und wird versuchen, überschüssige Glukose über den Urin aus dem Blut zu bekommen.

Typ 2 ist mit Abstand die häufigste Form des Diabetes.

Diabetes Typ 3

Unter diesem Typ werden alle Formen der Zuckerkrankheit zusammengefasst, die sich nicht in Typ 1, Typ 2 oder den Schwangerschaftsdiabetes (Typ 4) einordnen lassen. Hierunter fallen z.B. seltene Gendefekte, die entweder die Produktion oder die Wirkung von Insulin hemmen.

Ebenfalls zählt man Diabetes zum Typ 3, wenn der dauerhaft hohe Blutzuckerspiegel durch Medikamente oder andere Chemikalien verursacht wird.

Schwangerschaftsdiabetes (Diabetes Typ 4)

In der Schwangerschaft schüttet der weibliche Körper vermehrt Hormone aus, die Gegenspieler des Insulins sind. Dazu zählen z.B. Östrogene, Progesteron und Prolactin.

Zusätzlich schwächt die Schwangerschaft die Sensitivität der Zellen gegenüber Insulin. Wie beim Typ-2-Diabetes verlangen die Zellen mehr Insulin, um Glukose aus dem Blut aufzunehmen.

Kommt der Körper mit der Insulinproduktion nicht mehr hinterher, erhöht sich (ohne Behandlung) der Blutzuckerspiegel während der Zeit der Schwangerschaft.

Diabetes Symptome

Das Tückische am Typ 2 ist, dass er über eine lange Zeit asymptomatisch und damit unerkannt sein kann, so dass bei Auftreten der Symptome und zur Zeit einer Erstdiagnose der Überzuckerung bereits diabetische Spätkomplikationen vorhanden sein können.

Der Typ-1-Diabetes ist hingegen sehr viel schneller symptomatisch.
Symptome eines chronisch erhöhten Blutzuckerspiegels (Hyperglykämie) sind:

  • Verstärkter Harnfluss & verstärkter Durst: Die Nieren reinigen das Blut und filtern Giftstoffe und Abfallprodukte des Stoffwechsels heraus, welche sie dann über den Urin aus dem Körper schleusen. Ist zu viel Zucker im Blut, muss die Niere diesen ebenfalls ausscheiden. Dafür produziert sie mehr Urin und Sie müssen öfter auf die Toilette.
    Der Urin ist dabei weniger gelb sondern sehr klar.
    Um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen, verspüren Sie einen starken Durst, der sich kaum stillen lässt. Die Tatsache, dass Übermäßiger Zucker über den Urin ausgeschieden wird hat Diabetes mellitus übrigens seinen Namen eingebracht. Die Worte sind altgriechisch und bedeuten übersetzt honigsüßer Durchfluss. Die Ärzte in der Antike haben damals Diabetes anhand einer Geschmacksprobe des Urins diagnostiziert.
  • Müdigkeit & Schwäche: Obwohl im Blut viel Glukose vorhanden ist, können die Zellen diese nicht aufnehmen und in Energie umwandeln. Dies ist vor allem für das Gehirn ein Problem, da es ausschließlich über Glukose seine Energie gewinnt. Konzentrationsschwierigkeiten und Müdigkeit sind die Folge. Im schlimmsten Fall kann es zum Koma kommen.
    Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes, die gar kein Insulin produzieren und damit gar keine Glukose für das Gehirn aufnehmen können, beginnt der Körper Zucker aus Fett herzustellen. Diese Zucker nennt man Ketonkörper und können vom Gehirn zur Energiegewinnung genutzt werden.
    Man erkennt die Produktion von Ketose am beißenden Geruch des Atems oder dem Geruch des Urins nach Nagellackentferner.
  • Gewichtsverlust: Bei Typ 1-Diabetes sowie im Endstadium von Typ-2-Diabetes, wenn der Körper gar kein Insulin mehr produziert, kann der Körper den Zucker aus dem Blut nicht mehr für die Energiegewinnung nutzen. Stattdessen baut er Fett ab, um Ketonkörper als Ersatz herzustellen. Als Folge kann es hierbei zu Gewichtsverlust kommen.
  • Verschwommenes Sehen: Bei Menschen mit nicht behandeltem Diabetes oder falsch eingestelltem Diabetes schwankt der Blutzuckerspiegel stark. Diese Schwankungen lassen die Linsen in den Augen aufquellen, wodurch die Sehschärfe abnimmt. Dieses Symptom hält jeweils nur einige Stunden an.
  • Juckreiz & trockene Haut: Die Wissenschaft ist sich noch nicht einig, was für Juckreiz und trockene Haut verantwortlich ist. Diskutiert wird Flüssigkeitsmangel aufgrund des verstärkten Harndrangs, Entzündungen von Blutgefäßen und eine verstärkte Ausschüttung von Stresshormonen
  • Häufige oberflächliche Infektionen & verzögerte Wundheilung: Wie Diabetes das Immunsystem schwächt ist bislang noch nicht ausreichend erforscht. Eindeutig ist aber, dass Menschen mit Diabetes häufiger und länger Infektionen an Haut oder in der Lunge haben.

Folgeerkrankungen

Auf Dauer schädigt ein zu hoher Blutzuckerspiegel:

  • Nerven
  • Blutbahnen
  • Niere

Ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Diabetes mellitus kann dadurch zu zahlreichen Folgeerkrankungen und Komplikationen führen. Sie sind es eigentlich, die unmittelbar zum Tode vieler Patienten führen, weniger die Diabetes-Erkrankung selbst.

Folgende Krankheiten können durch einen Diabetes ausgelöst werden:

  • Netzhauterkrankungen der Augen, u.a. Sehschwäche und Erblindung
  • Koronare Herzkrankheiten (KHK), u.a. Herzinsuffizienz und Herzinfarkt
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK, „Schaufensterkrankheit“)
  • Verminderte Durchblutung des Gehirns, im schlimmsten Fall Schlaganfall
  • Beeinträchtigte Beweglichkeit des Magens, u.a. Völlegefühl und Erbrechen
  • Gehäufte bakterielle Infektionen
  • Hautveränderungen, u.a. Diabetischer Fuß
  • Hörverlust
  • Impotenz

Diabetes Typ 2 erhöht laut mehrerer Studien auch das Risiko für Demenz und kognitive Einschränkungen.

Diabetes Ursachen

An der Entstehung von Diabetes mellitus sind verschiedene Faktoren beteiligt, die sich je nach Typ etwas unterscheiden.

Diabetes Typ 1

Warum das Immunsystem die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Eine familiäre Veranlagung begünstigt Typ 1, aber Experten gehen davon aus, dass der Autoimmunprozess letztendlich durch eine Infektion oder einen Umweltreiz in Gang gesetzt wird.

Bei Typ-1-Diabetes erkranken die meisten Menschen bereits in ihrer Kindheit an der Immunschwäche. Ein Ausbruch der Erkrankung nach dem 30. Lebensjahr ist äußerst selten.

Diabetes Typ 2

Damit Diabetes Typ 2 entsteht, muss es zunächst zu einer Insulinresistenz der Zellen kommen, das heißt, die Zellen reagieren immer schwächer auf das Anklopfen des Insulins.

Da 80% der Typ-2-Diabetiker übergewichtig oder fettleibig (adipös) sind, ist eine Theorie, dass jede Zelle des Körpers bereits ausreichend mit Energie versorgt ist und einfach keinen weiteren Zucker aus dem Blut aufnehmen will.

Solange das Insulin nett fragt, öffnet die Zelle ihre Türen für den Zucker nicht. Erst wenn das Insulin die Zelle umstellt, gibt sie nach und nimmt weitere Zuckermoleküle in ihren überfüllten Vorratsspeicher auf.

Auslöser für die Insulinresistenz sind womöglich Entzündungsstoffe, die Fettspeicherzellen im Bauchraum ausschütten.

Ab wann es zu einer Insulinresistenz der Zellen kommt und wie schnell die ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse erschöpft sind, hat auch eine genetische Komponente. Bei eineiigen Zwillingen tritt, wenn einer einen Diabetes Typ 2 entwickelt, in 70-90% der Fälle auch beim anderen Typ 2 auf.

Risikofaktoren für Diabetes Typ 2 sind:

  • Familiäre Veranlagung
  • Übergewicht, insbesondere ein erhöhter Bauchumfang
  • Bewegungsmangel
  • Schlechte Ernährung
  • Rauchen

Die Wahrscheinlichkeit an Typ-2-Diabetes zu erkranken nimmt zu, je älter man wird.

Diabetes Typ 3

Da der Typ-3-Diabetes kein eindeutig definiertes Krankheitsbild hat, variieren hier die Ursachen:

  • Genetische Faktoren
  • Medikamente
  • Chemikalien

Schwangerschaftsdiabetes

Wie der Name sagt, kann eine Schwangerschaft einen vorübergehenden Diabetes auslösen. Verantwortlich dafür ist die veränderte Häufigkeit und Wirkungsstärke von Hormonen in dieser Zeit.

Allerdings bekommt nicht jede schwangere Frau Diabetes. Eine genetische Veranlagung, Übergewicht, Ernährung und Bewegungsmangel sind ebenfalls Risikofaktoren.

Diabetes Diagnose