Habe ich Normalgewicht? Bin ich zu dick oder zu dünn? Der Body Mass Index (BMI) kann darüber Auskunft geben. Hinter einer mathematischen Formel – Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern² – verbirgt sich die Antwort auf die Frage: Habe ich Unter-, Über- oder Normalgewicht.

Und diese Frage ist nicht nur wichtig in Bezug auf Hosengrößen und Bikini-Figur. Denn das gefühlte Gewicht, das Wohlfühlgewicht und das tatsächliche Gewicht weichen häufig voneinander ab.

Dieser Artikel erklärt, was der BMI ist, wie man ihn ausrechnet und warum es wichtig ist, einen BMI im Normalbereich zu haben. Er geht auch darauf ein, was der BMI nicht kann und warum Sie ihn nicht ausschließlich zur Betrachtung des Normalgewichts heranziehen sollten.

Was ist der BMI?

Wie bereits erwähnt, ist die Grundlage des Body Mass Index eine mathematische Formel. Das Ergebnis zeigt das Verhältnis zwischen Ihrem Gewicht zu Ihrer Größe.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat innerhalb einer Klassifizierung den BMI in Unter-, Normal- und Übergewicht festgelegt. Allerdings spielen zusätzlich auch das Alter und das Geschlecht eine Rolle bei der Feststellung, in welchem Bereich Sie sich befinden. Pauschal bedeutet ein BMI von:

  • 18,5 und darunter: Untergewicht
  • 18,5 bis 24,9: Normalgewicht
  • 25 und darüber: Übergewicht
  • 30 und darüber: starkes Übergewicht (Adipositas)
  • 40 und darüber: extreme Adipositas

Für Kinder und Senioren gelten nochmals andere Richtwerte, auf die wir später eingehen.

Woher kommt der BMI?

Die Berechnungsgrundlage für den Body Mass Index gibt es bereits seit 1832. Der belgische Mathematiker Adolphe Quetelete entwickelte diese Formel. Nach dem ersten Weltkrieg arbeitete der gebürtige Österreicher Ignaz Kaup an dem Gewichts-Längen-Verhältnis und den damit im Zusammenhang stehenden gesundheitlichen Grundlagen weiter.

Der amerikanische Physiologe Ancel Keys war es, der 1972 den BMI in einem Artikel erwähnte und darauf hinwies, dass man anhand statistischer Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit erkennen könne.

Behauptungen, der BMI sei entwickelt worden, um Versicherungsnehmer amerikanischer Versicherungen zu überprüfen und gemäß ihres Body Mass Index einzustufen, sind falsch.

Was sagt der Body Mass Index über Ihre Gesundheit aus?

Der Body Mass Index liefert einen Wert über die Verhältnismäßigkeit von Größe zu Gewicht. Daraus ergibt sich ein ungefähres Wissen über die Gewichtsrelation eines Menschen.

Es handelt sich um einen Richtwert, da Muskelmasse, Knochenbau und Fettverteilung nicht berücksichtigt werden. An diesem Wert kann erkannt werden, ob ein Mensch stark Unter- oder Übergewichtig ist.

Sollte dies der Fall sein, ist Achtsamkeit gefragt, denn extreme Gewichte sind extreme Belastungen für den Organismus. Leichte Ausschläge aus dem Normalbereich in den oberen oder unteren Wert sind hingegen nicht unbedingt schädigend für die Gesundheit.

Eine Studie des Departments of Epidemiology and Public Health am University College London hat über einen Zeitraum von zehn Jahren die Daten von über 120.000 Männern und Frauen gesammelt und ausgewertet. Zu Beginn der Studie waren die Teilnehmer im Mittel 35 Jahre alt und weder Patienten mit Diabetes-2, noch Herzerkrankungen oder Schlaganfällen waren darunter. Die Ergebnisse nach den zehn Jahren Ermittlungsphase sind eindeutig:

Das Risiko für Herzerkrankungen war bei den Studienteilnehmern mit Übergewicht doppelt so hoch wie bei den Teilnehmern mit Normalgewicht, bei den Kontrollpersonen mit Adipositas III sogar fünfzehnfach höher. Übergewichtige Personen Grad I und II hatten ein mehr als doppelt so hohes Risiko für Schlaganfall und koronare Herzerkrankungen und ein zwölffach erhöhtes Risiko für Diabetes.

Diese Aussichten sind beunruhigend, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich die Anzahl der Menschen mit Adipositas seit 1980 in mehr als 70 Ländern verdoppelt hat – so eine Studie der Deutschen Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten. Davon betroffen waren demnach im Jahr 2015

  • 108 Millionen Kinder
  • 6037 Millionen Erwachsene

Natürlich gibt es auch normalgewichtige Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und stark Über- oder Untergewichtige, die kerngesund sind. Eine angeschlagene Gesundheit im Zusammenhang mit extremem Körpergewicht kann aber zumindest einen Ansatz für eine medizinische Maßnahme bilden.

BMI: So berechnen Sie Ihren Body Mass Index

Für die Berechnung des BMI brauchen Sie nur Ihr Körpergewicht in Kilo durch Ihre Körpergröße in Metern zum Quadrat zu teilen:

BMI = Gewicht in Kilo / (Körpergröße in Metern x Körpergröße in Metern)

Als Rechenbeispiel: Eine Frau ist 1,70 m groß und wiegt 65 Kilo. Der BMI errechnet sich wie folgt:

65 / (1,70 x 1,70) = 22,5. Mit diesem BMI fällt sie in den Bereich Normalgewicht – siehe BMI Tabelle unten.

Ein Mann ist 1,85 m groß und wiegt 94 Kilo. Sein BMI errechnet sich wie folgt:

94 / (1,85 x 1,85) = 27,5. Mit diesem BMI befindet er sich bereits deutlich im übergewichtigen Bereich. Allerdings nur, wenn man das Alter unberücksichtigt lässt.

Noch einfacher können Sie sich die Berechnung machen, wenn Sie einen der zahlreichen BMI-Rechner verwenden, die es im Internet gibt. Dann erfahren Sie auch sofort, ob Ihr Body Mass Index für Unter-, Über- oder Normalgewicht steht. Zum Beispiel: https://www.bmi-rechner.biz/

Finden Sie Ihren Body Mass Index in der BMI Tabelle

Die offiziell gültige BMI Tabelle der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht folgende Unterteilung vor:

Bedeutung  BMI
Untergewicht  ≤ 18,5 
Normalgewicht  18,5 – 24,9
Übergewicht 25 – 29,9 
Adipositas / Fettleibigkeit Grad I 30 – 34,9
Adipositas / Fettleibigkeit Grad II  35 – 39,9 
Adipositas / Fettleibigkeit Grad III  ≥ 40 

Das amerikanische National Research Council (NRC) hat zusätzlich eine BMI Tabelle für den normalen Body Mass Index unter Berücksichtigung des Alters veröffentlicht:

Alter  BMI
19 – 24 Jahre  19 – 24 
25 – 34 Jahre  20 – 25
35 – 44 Jahre 21 – 26 
45 – 54 Jahre 22 – 27
55 – 64 Jahre  23 – 28 
Ab 65 Jahre  24 – 29 

Welcher BMI ist normal?

Normaler BMI – das ist ein nur schwer zu definierender Wert. Was ist schon „normal“? Wie bereits erwähnt, kann der Body Mass Index nur ein Richtwert sein. Vollkommen außer Betracht gelassen ist dabei, wie sportlich ein Mensch aufgestellt ist – Muskelmasse wiegt mehr als Fett – und wie die Verteilung des Fetts bei der jeweiligen Person ist.

Und auch der Body Mass Index ist von den gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflusst. Galt früher ein Wert im mittleren Normalbereich als ideal, tendiert man heute, ein leichtes Übergewicht als ideal zu sehen.

Zumindest haben dänische Wissenschaftler herausgefunden, dass Menschen, deren BMI im unteren Bereich des Übergewichts liegt, im Schnitt am längsten leben.

Dazu wurden Daten von mehr als 100.000 Menschen aus verschiedenen Jahrzehnten und Studiengruppen ausgewertet. Das Ergebnis ist verblüffend: Der BMI mit dem statistisch niedrigstem Risiko, frühzeitig zu sterben, lag bei 27. Nach Einschätzung der WHO liegt dieser Wert aber im Mittelfeld des Übergewichts erster Klasse.

Wer jetzt glaubt: Currywurst, Pommes und Chips – “nur her damit!”, der irrt und täte sich keinen Gefallen.

Nach wie vor spielt die Form der Ernährung eine große Rolle. Der Unterschied zwischen gesunden und ungesunden Fetten ist enorm. Und in der Studie wird auch erwähnt, dass Übergewicht und die Folgeerkrankungen daraus heute oft im Fokus der medizinischen Entwicklung stehen. Das könnte also auch bedeuten, dass Übergewicht nach wie vor ungesund ist, aber die Folgen besser behandelt werden können.

Menschen mit einem BMI von 27 wiegen übrigens:

Bei 1,60 m   69,1 kg 
Bei 1,70 m  78 kg
Bei 1,80 m 87,5 kg 
Bei 1,90 m 97,5 kg

Welcher BMI entspricht dem Idealgewicht?

Mit Hilfe des Body Mass Index und den wissenschaftlichen Erweiterungen ist es spielend leicht sein Idealgewicht zu ermitteln. Auch hierbei ist eine gewisse Spanne möglich.

Dies unterliegt dann tatsächlich dem persönlichen Empfinden, der Jahreszeit, der Sportlichkeit, hormonellen Schwankungen, die die Wassereinlagerungen begünstigen und so weiter.

Machen wir das anhand eines Rechenbeispiels deutlich:

Eine Frau von 45 Jahren darf bei einer Körpergröße von 1,71 m zwischen 67 und 82 Kilo wiegen – das ist eine relativ große Spanne.

Ein Mann, 28 Jahre alt, dürfte bei einer Körpergröße von 1,83 m zwischen 67 und 83 Kilo wiegen.

Laut dieser Berechnung kann sich also jeder mal erlauben, im Winter ein bisschen mehr Speck an den Hüften zu haben, der Richtung Sommer wieder verschwindet – zumindest zum größten Teil. So lange sich der Wert innerhalb des definierten normalen BMI befindet.

Der BMI bei Kindern und Jugendlichen

Aufgrund der verschiedenen Wachstumsphasen von Kindern und Jugendlichen, sollten deren BMI Werte unbedingt getrennt von denen der Erwachsenen behandelt werden. Ebenfalls sollte zwischen Jungen und Mädchen differenziert werden, denn hier gibt es einen signifikanten Unterschied.

Bei Kindern im Wachstum gibt es erhebliche Schwankungen im Verhältnis von Knochen- und Muskelmasse zum Körperfettanteil. Eltern wissen es, wenn sie ihre Kinder genau beobachten – es ist ein bisschen wie bei Hundewelpen: Erst macht die Haut einen Schub und alles wirkt etwas weicher, bis die Muskeln und Knochen dann die Haut wieder dehnen, weil sie in die Haut sprichwörtlich hineinwachsen.

Die Berechnungsgrundlage für den BMI ist identisch mit der, bei den Erwachsenen. Die Wertangaben für Unter-, Normal- und Übergewicht sind allerdings etwas anders.

BMI Tabelle für Mädchen

Alter  Unter-gewicht Normal-gewicht leichtes Über-gewicht Über-gewicht
8 Jahre  < 13,2 13,3 – 18,7 18,8 – 22,2 > 22,3 
9 Jahre  < 13,7 13,8 – 19,7 19,8 – 23,3 > 23,4
10 Jahre  < 14,2 14,3 – 20,6 20,7 – 23,3 > 23,4  
11 Jahre  < 14,6 14,7 – 20,7 20,8 – 22,8 > 22,9 
12 Jahre  < 16 16,1 – 21,4 21,5 – 23,3 > 23,4  
13 Jahre  < 15,6 15,7 – 22 22,1 – 24,3 > 24,4  
14 Jahre  < 17 17,1 – 23,1 23,2 – 25,9 > 26 
15 Jahre  < 17,6 17,7 – 23,1 23,2 – 27,5 > 27,6  
16 Jahre  < 17,8 17,9 – 22,7 22,8 – 24,1 > 24,2  
17 Jahre  < 17,8 17,9 – 23,3 23,4 – 25,6 > 25,7
18 Jahre  < 18,3 18,4 – 23,4 23,5 – 24,9 > 25

BMI Tabelle für Jungen

Alter  Unter-gewicht Normal-gewicht leichtes Über-gewicht Über-gewicht
8 Jahre  < 14,2 14,3 – 19,2 19,3 – 22,5 > 22,6
9 Jahre  < 13,7 13,8 – 19,3 19,4 – 21,5 > 21,6
10 Jahre  < 14,6 14,7 – 21,3 21,4 – 24,9 > 25 
11 Jahre  < 14,3 14,4 – 21,1 21,2 – 23 > 23,1
12 Jahre  < 14,8 14,9 – 21,9 22 – 24,7 > 24,8 
13 Jahre  < 16,2 16,3 – 21,6 21,7 – 24,4 > 24,5 
14 Jahre  < 16,7 16,8 – 22,5 22,6 – 25,6 > 25,7
15 Jahre  < 18,5 18,6 – 23,6 23,7 – 25,9 > 26
16 Jahre  < 17,8 17,9 – 22,7 22,8 – 24,1 > 24,2
17 Jahre  < 18,6 18,7 – 23,6 23,7 – 25,7 > 25,8
18 Jahre  < 18,6 18,7 – 23,9 24 – 26,7 > 26,8

Daraus ergibt sich:

Ein Mädchen, 14 Jahre alt und 1,69 m groß, wiegt idealerweise zwischen 48 und 66 Kilo.

Ein Junge, 9 Jahre alt und 1,40 m groß, liegt zwischen 27 und 38 Kilo im Normalbereich.

Der BMI bei Frauen und Männern

Es empfiehlt sich, bei der Ermittlung des BMI auch bei den Erwachsenen zwischen den Geschlechtern Unterschiede zu machen. Männer haben häufig mehr Muskelmasse als Frauen und diese wirkt sich auf der Waage durch mehr Gewicht aus.

BMI Tabelle für Frauen

Alter  Unter-gewicht Normal-gewicht leichtes Über-gewicht Über-gewicht
16 Jahre  < 19 19 – 22 23 – 26 > 26
17-24 Jahre  < 19 19 – 23 24 – 27 > 27
25-34 Jahre  < 20 20 – 24 25 – 28 > 28
35-44 Jahre  < 21 21 – 25 26 – 29 > 29
45-54 Jahre  < 22 22 – 26 27 – 30 > 30
55-64 Jahre  < 23 23 – 27 27 – 31 > 31
Ab 65 Jahre  < 24 24 – 28 28 – 32 > 32

BMI Tabelle für Männer

Alter  Unter-gewicht Normal-gewicht leichtes Über-gewicht Über-gewicht
16-24 Jahre  < 19 19 – 24 25 – 28 > 28
25-34 Jahre  < 20 20 – 25 26 – 29 > 29
35-44 Jahre  < 21 21 – 26 27 – 30 > 30
45-54 Jahre  < 22 22 – 27 28 – 31 > 31
55-64 Jahre  < 23 23 – 28 29 – 32 > 32
Ab 65 Jahre  < 24 24 – 29 30 – 33 > 33

Man kann den BMI übrigens auch mittels eines Nomogramms darstellen. Dabei handelt es sich um ein Diagramm, in dem verschiedenen Skalen nach Geschlecht, Körpergröße und Gewicht aufgeteilt sind. Anhand so eines Diagramms können Sie ebenfalls Ihren BMI ermitteln.

Welcher BMI ist für Senioren ideal?

Im Alter nimmt die Muskelmasse bei den meisten Menschen nach und nach ab. Daher gelten für Senioren beim BMI noch einmal andere Richtwerte, als für Erwachsene und Kinder. Die Richtwerte sind in den Body Mass Index Tabellen mit „Ab 65“ gekennzeichnet und unterscheiden auch hier wieder zwischen Männer und Frauen.

Wissenschaftler stellten zudem fest, dass Senioren, deren BMI zwischen 25 und 29,9 lag – also im Bereich des leichten Übergewichts –, im Vergleich länger lebten als Senioren, deren BMI im Normalbereich waren. Dies würde sich auch wieder mit der bereits erwähnten jüngsten Studie aus Dänemark decken.

Es ist also durchaus angebracht, im Alter unbedingt darauf zu achten, ausreichend zu essen und lieber ein Kilo mehr auf die Waage zu bringen.

BMI und Adipositas: Wann spricht man von Übergewicht?

Ab einem BMI von 30 spricht die Weltgesundheitsorganisation von Adipositas, also starkem Übergewicht und Fettleibigkeit. Um es zu veranschaulichen, ist ein Rechenbeispiel sinnvoll:

Bei 1,64 m Körperlänge und einem Gewicht von 84 Kilo erreicht eine 48 Jahre alte Frau einen BMI von 30,1.

Ein 62 Jahre alter Mann hat bei einer Körpergröße von 1,82 m und einem Gewicht von 100 Kilo einen BMI von 30,2.

Der BMI in der Kritik

Lange galt der BMI als das Maß aller Dinge. Doch die Sichtweise ist ein bisschen überholt. Mittlerweile akzeptieren Fachleute, dass der Body Mass Index nur ein Richtwert sein kann, um bestimmte Dinge ein bisschen besser zu klassifizieren.

Aber er sollte nicht als alleinige Bewertungsgrundlage herangezogen werden. Dazu ist er nicht differenziert genug. Das statistische Mittel lässt sich eben nicht auf das Individuum anwenden. Zumindest nicht pauschal. Dass zwischen Lebensdauer und Gewicht ein Zusammenhang bestehen kann und besteht, bestreitet keiner. Dass ein starkes Übergewicht Folgeerkrankungen mit sich bringen kann auch nicht.

Aber nicht nur dieses Zusammenspiel ist ausschlaggebend. Denn einige Faktoren können bei der Berechnung des BMI gar nicht berücksichtigt werden.

Worüber der BMI keine Auskunft gibt

In erster Linie kann man mit dem BMI nicht den Anteil des Körperfetts ermitteln. Dieser ist aber sehr wichtig, vor allem in seiner Verteilung. Denn aus Studien weiß man, dass im Bauchraum lagerndes Fett ungesunder ist, als Fett, das sich an anderen Körperstellen lagert.

Auch können sehr sportliche Menschen durch die schwereren Muskeln einen höheren Body Mass Index haben, als unsportliche Menschen. Hier ist das Ergebnis nun tatsächlich verfälscht, weil der sportliche Mensch deutlich weniger Fettanteil im Körper hat, als der unsportliche.

Nicht anwendbar ist der Body Mass Index auch bei Schwangeren.

Da die BMI Tabellen von der Weltgesundheitsorganisation erstellt werden, wenden Ärzte sie entsprechend dieser Angaben an. Das bedeutet auch, dass gewisse Krankheiten, wie eben Adipositas, aber auch Magersucht beispielsweise, über diese Tabellen eingeordnet werden. Bedenklich, wenn man erkennt, wie schwankend die Werte sind und was alles nicht berücksichtigt werden kann.

Wie BMI und Lebenserwartung in Zusammenhang stehen

Wer dünn ist lebt länger? Weit gefehlt! Natürlich gehören zum älter werden mehrere Faktoren: gesund und ausgewogen essen, kein Tabak, Alkohol in Maßen, ausreichend Bewegung, regelmäßiger und erholsamer Schlaf. Das sind mal ein paar Dinge, die Sie selber steuern können.

Dann gibt es natürlich auch eine Vorbelastung für bestimmte Krankheiten, die liegen fest und lassen sich bestenfalls ein bisschen beeinflussen – zum Beispiel durch entsprechende Ernährung etc. Und auch das Idealgewicht wird in diesem Zusammenhang häufig erwähnt. Doch ideal und individuell ideal sind zwei Paar Schuhe.

In den vergangenen 40 Jahren musste der Body Mass Index, der statistisch gesehen mit der geringsten Sterblichkeitsrate einhergeht, um insgesamt 3,3 Punkte angehoben werden. Das ist eine ganze Menge! In den 70er Jahren lag er noch bei 23,7. Heute liegt er, wie in der dänischen Studie erfasst, bei 27.

Als Argument dieser Anhebung, das haben wir schon erwähnt, kann zum einen die deutlich stärkere Forschung auf dem Gebiet des Übergewichts und der damit einhergehenden Erkrankungen gelten.

Ein anderes Argument, das schon unsere Großmütter kannten, ist: Wer ein Kilo zu viel auf der Waage hat, hat mehr Substanz für schlechte Tage. Sprich: Wer etwas mehr Gewicht hat und von einer länger anhaltenden Krankheit, wie einer starken Erkältung, einem Herzinfarkt oder einer Krebstherapie betroffen ist, hat ein paar Reserven mehr, aus denen der Körper schöpfen kann.

Man sollte den Body Mass Index also auch nicht überbewerten!

Übergewichtig laut BMI: Wann sollten Sie reagieren?

Laut Body Mass Index haben Menschen Übergewicht, deren BMI bei 25 und höher liegt. Doch diese Berechnung muss viel differenzierte betrachtet werden, bevor man sich mit dem Thema Fettleibigkeit befasst.

Wir haben es bereits angesprochen: Der BMI ist zunächst nur ein Richtwert und sehr verallgemeinernd. Wir erklären das mal anhand eines Beispiels:
Zwei Frauen, beide 32 Jahre alt, 1,68 m groß und 71 Kilo schwer. Das ergibt einen BMI von 25,2. Übergewicht!

Aber: Die eine ist eher der Couch Potato-Typ, die andere geht jeden zweiten Tag joggen.

Mit Sicherheit ist davon auszugehen, dass die sportliche Frau deutlich weniger Körperfettanteil in ihrem Körper hat und durch die vielen Muskeln so schwer ist. Sie braucht an ihren Essgewohnheiten nichts zu ändern. Der anderen Dame würden wir raten, ein Auge auf das Gewicht zu haben und nicht noch weiter in den übergewichtigen Bereich zu rutschen.

Ab einem BMI von 30 gilt man, laut Weltgesundheitsorganisation, als adipös. Hier ist dringend Handlungsbedarf erforderlich, denn eventuelle Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können im schlimmsten Fall tödlich enden. Sollten Sie einen Body Mass Index haben, der bereits auf starkes Übergewicht schließen lässt, beraten Sie sich bitte mit Ihrem Arzt, was zu unternehmen ist. Meist ist es der erste Schritt, der am schwersten fällt!

Ausnahmen bestätigen übrigens die Regel – das gilt auch beim BMI und Übergewicht. Es gibt nämlich durchaus Menschen, die starkes Übergewicht haben, dennoch fit sind und sehr gute Blutwerte aufweisen und steinalt werden.

Welche Alternativen gibt es zum BMI?

Gerade weil der Body Mass Index als Grundlage für die Berechnung von gesundem Gewicht nicht ganz unumstritten ist, haben sich in den letzten Jahren auch noch weitere Methoden hervorgetan, die als Alternativen zum BMI durchaus taugen. Einige möchten wir Ihnen hier vorstellen:

Body Adipositas Index – oder auch BAI:

Hierbei handelt es sich um ein relativ neues Verfahren aus den USA. Die Berechnung erfolgt in: Hüftumfang in Zentimetern geteilt durch die Körperlänge in Metern hoch 1,5 bis 1,8.

Kritiker dieses Systems weisen darauf hin, dass noch interessanter als der Hüftumfang der Taillenumfang sein würde, um den Körperfettanteil auszumachen.

Broca Index:

Den Broca Index kennen Sie vielleicht noch aus der Schulzeit – ohne vielleicht den komplizierten Namen parat zu haben, der auf den gleichnamigen französischen Arzt hinweist, der diese Formal erdacht hat. Die ist so einfach, dass man nicht einmal einen Taschenrechner dazu braucht: Von der Körperlänge 100 abziehen. Das ergibt das normale Gewicht. Zieht man 10 Prozent davon ab, hat man das Idealgewicht errechnet.

Ein 189 Zentimeter großer Mann hat demnach ein Normalgewicht von 89 Kilo und ein Idealgewicht von etwa 80 Kilo.

Eine 165 Zentimeter große Frau erreicht mit 65 Kilo ihr Normalgewicht und findet das Idealgewicht bei 58,5 Kilo.

Diese Berechnung weicht nicht allzu sehr von der Einstufung des BMI ab.

Ponderal Index:

Berechnet man beim Body Mass Index das Gewicht, verteilt auf die Körperfläche (Körpergröße im Quadrat), legt man beim Ponderal Index das Körpervolumen zu Grunde (also Körpergröße hoch 3). Hier ist nun wieder der Taschenrechner notwendig, um die Berechnung vorzunehmen.

Waist-to-Height Ratio und Waist-to-Hip Ratio – oder auch WHtR und WHR

Das WHtR und WHR beziffert das Verhältnis von Taille bzw. Hüfte zur Körpergröße und errechnet sich aus Umfang geteilt durch Körpergröße. Diese Methode bevorzugen mittlerweile viele Fachleute gleich aus mehreren Gründen.

Wie bereits erwähnt, kann beim BMI nicht beachtet werden, ob es sich um einen muskulösen und sportlichen Körpertypus handelt, oder um einen unsportlichen mit höherem Fettanteil. Da Muskelmasse mehr wiegt, als Fett, ist der ermittelte BMI im Detail kritisch zu betrachten.

Zum anderen weiß man heute, dass die Verteilung des Körperfetts eine wichtige gesundheitliche Rolle spielt. Hierbei ist vor allem zu bemerken, dass man herausgefunden hat, dass ein hoher Bauchfettanteil große gesundheitliche Risiken birgt. Diesen Körperfettanteil kann man durch das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße ermitteln. Ein WHtR von über 0,5 gilt als kritisch.

Ermittelt wird er durch die Formel: WHtR = Taillenumfang / Körpergröße.

Das sogenannte Viszeralfett kann als Unterhautfettgewebe auftreten, oder sich auch an den Organen ansetzen.

Mit folgenden Erkrankungen und Symptomen wird ein hoher Bauchfettanteil in Verbindung gebracht:

  • Herzinfarkt
  • koronare Herzkrankheiten
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Schlaganfall
  • Thrombose
  • Alzheimer

Um den Bauchumfang zu messen, setzten Sie das Maßband am besten zwei Zentimeter über der Oberkante Ihres Beckenkamms an. Für Frauen besteht ein erhöhtes gesundheitliches Risiko ab einem Bauchumfang von 80 Zentimetern, für Männer ab einem Bauchumfang von 94 Zentimetern.

Das WHR, also die Verhältnismäßigkeit von Taille zu Hüfte, gilt übrigens eher als einen Attraktivitäts-Schlüssel und weniger als Indikator für Körperfett.

Fragen und Antworten zum Body Mass Index

Bestimmt der BMI meinen Körperfettanteil?

Ein ganz klares Nein. Der Body Mass Index kann nur die Relation zwischen Körpergröße und Gewicht angeben. Daraus lässt sich ableiten, ob der Mensch unter-, über- oder normalgewichtig ist, aber nicht, welchen Körperfettanteil er aufweist. Um das zu ermitteln, gibt es verschiedene Methoden, wie:

  • Das biolektrische Impedanz-Verfahren (BIA), bei dem mittels elektrischer Impulse der Widerstand gemessen wird, was wiederum Rückschlüsse auf die Fettmasse zulässt.
  • Mit einem Kaliper, einer Körperfettzange, wird die Faltentiefe an Po, Bauch, Oberschenkeln und Brust gemessen und mit Hilfe einer Formel ergibt sich der Körperfettwert.
  • Mit der Navy-Methode werden Körpergröße, Bauchumfang, Halsumfang und – bei Frauen – der Hüftumfang gemessen. Vereinfacht wird nur der Bauchumfang im Verhältnis zum Gewicht gestellt.

Auch der ideale Körperfettanteil ist abhängig von Geschlecht und Alter. Bei Männern liegt er zwischen 12 und 21 Prozent, bei Frauen zwischen 17 und 26 Prozent. In der Realität liegen 45-jährige Männer häufig bei einem Körperfettanteil von 22 bis 24 Prozent und Frauen bei einem Wert von 30 Prozent. Unterschritten werden sollten niemals die Werte von 3 bis 5 Prozent bei Männern und 10 bis 13 Prozent bei Frauen.

Wo setzt der BMI die Grenze zur Magersucht?

Laut der aktuellsten Einstufung der Weltgesundheitsorganisation beginnt Untergewicht bei einem BMI der unter 18,5 liegt. Das bedeutet, dass eine Frau, 25 Jahre alt, bei 1,70 m Körpergröße unter 54 Kilo wiegt, um untergewichtig zu sein. Dieser Grenzwert wurde erst kürzlich leicht angehoben, um noch mehr Menschen vor den Folgen der Magersucht zu schützen.

Allerdings sollten aus medizinischer Sicht nicht nur die Werte des Body Mass Index zugrunde gelegt werden, um einzuschätzen, ob ein Patient magersüchtig ist. Eine schnelle Gewichtsabnahme, die übermäßige Beschäftigung mit dem Thema Essen, die Wahrnehmung des eigenen Körpers – all dies sind Hinweise, die auf eine Magersucht schließen lassen können, bevor der niedrige BMI Wert erreicht wird.

Fazit

Wie steht es denn nun mit dem wirklich “idealen Idealgewicht”? Tatsache ist, dass der BMI nicht ausreichend Auskunft gibt, um sich ausschließlich nach ihm zu richten. Er dient aber sicherlich im Alltag als ein sehr guter Richtwert, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Anhand der Tabellen können Sie einfach hin und wieder kontrollieren, ob sich Ihr Body Mass Index erheblich verändert. Sollten Sie in einen extremen Bereich von Über- oder Untergewicht rutschen, ist es ratsam, mit einem Arzt zu besprechen, welche Ursachen es dafür gibt und wie das zu behandeln ist.

In erster Linie haben Sie Ihr Idealgewicht, wenn Sie sich gut fühlen, fit sind, sich gesund ernähren und mit Freude und Elan an den Tag und Ihre Aufgaben gehen. Dann ist es nicht entscheidend, ob Sie ein Kilo mehr oder weniger wiegen.

Im Gegenteil. Es kann manchmal sogar gesünder sein, wie wir von den Dänen gelernt haben, ein bisschen mehr auf die Waage zu bringen. Das nennt man dann Wohlfühlgewicht.