Wenn ein Job nicht reicht zum Leben

Am Buß- und Bettag, 22. November 2017, 17:45 Uhr im ZDF

Dietrich Grönemeyer trifft Menschen, die mehrere Jobs haben, um ihr Leben zu meistern. Sie können sich das Leben vor allem in den Metropolen nur noch mit Mühen leisten.

Eine alleinerziehende Arzthelferin und ein alleinstehender Reha-Techniker sind zwei Fälle von 3,1 Millionen Deutschen, die sich ihr Gehalt mit Nebenjobs aufbessern. Sie haben keine Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben, ganz zu schweigen von der Rente.

Zeit für Mutter und Tochter bleibt kaum

38,5 Stunden pro Woche arbeitet Rita S. als Arzthelferin in Mainz-Hechtsheim. Sie liebt die Arbeit mit Patienten. Doch der Job kann sie und ihre 14-jährige Tochter kaum ernähren. Seit Jahren bessert Rita S. ihr Gehalt daher mit Nebenjobs auf. Mal arbeitet sie als Bedienung, mal in der Küche. Zeit für sich und ihre Tochter bleibt da kaum mehr. Rita S. wohnt mit ihrer Tochter seit Jahren in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, sie selbst schläft im Wohnzimmer mit Küchenzeile. "Ich hätte so gern ein eigenes Zimmer, wohin ich mich auch mal zurückziehen kann. Doch das ist bei den Mietpreisen hier einfach nicht drin." Zur Zeit ist es besonders eng. Denn ihr aktueller Nebenjob bei einem Caterer wirft gerade nicht viel ab. Jetzt hat sie sich zusätzlich für den Job an der Kasse eines Nachtclubs beworben - und ist genommen worden. Nachtarbeit. Der nächste Tag ist dann gelaufen. Doch Rita, die mittlerweile schon die erste Schicht im neuen Nebenjob hinter sich hat, ist froh über die zusätzlichen Euros.

Der Fulltime-Job reicht nicht zum Leben

Das hat sich Ralf Sch. anders vorgestellt: Als er vor gut 20 Jahren seine Umschulung zum Reha-Techniker machte, klang das nach Zukunftsperspektive, nach einem Beruf, mit dem man sich das Leben leisten kann. Jahrelang hatte er schon gearbeitet, war kurz in die Arbeitslosigkeit gerutscht - und glücklich, als er 1996 als Quereinsteiger in einem Sanitätshaus anfangen konnte. Endlich Sicherheit? Es kam anders für den heute 51-Jährigen. Der Fulltime-Job reicht nicht zum Leben: "Die Miete könnte ich gerade noch zahlen - aber ich könnte sonst nicht groß was machen", meint er. Deshalb hat Ralf Sch. seit Jahren einen Nebenjob als Fitnesscoach. Zweimal die Woche je drei Stunden arbeitet er zusätzlich und einmal im Monat noch am Wochenende. "Das wird auf die Dauer ganz schön anstrengend." Und fürs Alter vorzusorgen, so wie es allseits gefordert wird, hat er sich längst abgeschminkt. 

Dietrich Grönemeyer erfährt bei seinen Begegnungen am Buß- und Bettag, wie Menschen mit mehreren Jobs ihren Alltag meistern - und erlebt, wie sie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht aufgeben.

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