Auch wenn niemand laut darüber reden will, haben wir alle hin und wieder Blähungen. Das ist ganz normal.

Manch einer stört sich an dem kleinen Blähbauch, der in dem neu gekauften Kleid keine exzellente Figur machen will. Unangenehm wird es, wenn die Luft versehentlich lautstark in einer fröhlichen Runde bei Freunden oder einem wichtigen Gespräch mit dem Vorgesetzten entweicht.

Aber soziale Normen einmal außen vor: Blähungen sind in der Regel absolut harmlos.

Treten Blähungen jedoch chronisch auf und sind sie von weiteren Beschwerden wie Schmerzen oder Übelkeit begleitet, können Blähungen als Symptom auf verschiedene Krankheiten hinweisen und sollten von einem Arzt abgeklärt werden.

Welche Ursachen es für Blähungen gibt und was Sie gegen Blähungen tun können, erfahren Sie hier.

Blähungen Definition

Bei der Verdauung im Darm entstehen immer Gase. Um diese „Abfallprodukte“ loszuwerden, nimmt zum einen das Blut die Gase auf, transportiert sie zur Lunge und wir atmen sie ab. Zum anderen entweichen die Gase durch den Enddarm. Dabei gelten 24 Gasabgänge innerhalb von 24 Stunden als vollkommen normal. In den meisten Fällen merkt man von ihnen gar nichts, denn oft sind sie geruchs- und geräuschlos.

Erst wenn sich im Darm übermäßig viele Gase bilden, spricht man von Blähungen. Die Gase setzen sich je nach Ursache unterschiedlich zusammen. Häufig bestehen sie aus Wasserstoff, Kohlenstoffdioxid, Methan und Schwefelwasserstoff.

Wenn die Gase im Darm überhandnehmen und nicht schnell genug entweichen, treiben sie den Bauch auf und man spricht von Meteorismus. Umgangssprachlich von einem Blähbauch. Nach und nach gehen diese Gase über den Enddarm als Darmwinde ab und der Bauch flacht wieder ab. Bei starkem und häufigem Abgang spricht man Flatulenz.

Können die Gase über den Enddarm nicht abgehen, z.B. aufgrund von Verstopfungen, sammeln sie sich im Bauch und führen nach einer Weile oft zu schmerzhaften Bauchkrämpfen (Koliken).

Ab wann man Blähungen als störend empfindet, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Sobald Sie sich von den Blähungen in Ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen oder wenn neben den Blähungen noch andere Beschwerden auftreten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und die Ursachen abklären.

Blähungen Ursachen

Gase gelangen auf drei Arten in den Darm:

  • Man schluckt Luft beim Essen
  • Bei der Neutralisierung der Magensäure im Dünndarm entsteht CO2
  • Darmbakterien spalten Nahrung im Darm, als Abfallprodukte fallen dabei Gase an

Wer hektisch isst oder kohlensäurehaltige Getränke trinkt, schluckt dabei neben der Nahrung auch eine ganze Menge an Luft. Die meiste davon stößt man jedoch gleich wieder auf. Nur wenig gelangt vom Magen bis in den Darm.

Überwiegend bilden sich Gase im Darm bei der Verdauung. Insbesondere, wenn Sie viele Ballaststoffe zu sich nehmen, zersetzt Ihre Darmflora diese unter der Bildung von Gasen wie Wasserstoff, Methan und Kohlendioxid.

Gelangen Zucker oder Eiweiße in den Dickdarm – z.B., weil Sie zu viele Früchte in einem Smoothie getrunken haben und Ihr Dünndarm den Fruchtzucker nicht schnell genug aufnehmen kann – dann vergären Ihre Bakterien auch sehr gerne Zucker (oder Eiweiß).

Der Großteil des im Darm entstandenen, geruchslosen Kohlendioxids geht ins Blut über, wird an die Lunge herangetragen und von Ihnen abgeatmet.
Der Rest der Gase muss als Flatulenz dem Darm entweichen.

Riechen können Sie diese dann, wenn die Darmbakterien bei der Verdauung der Nahrungsreste schwefelhaltige Gase produziert haben. Dieser Geruch ist zwar unangenehm, aber nicht krankhaft. Schwefelhaltige Verbindungen kommen ganz natürlich in Lebensmitteln wie z.B. Knoblauch vor. Zersetzen Bakterien die sekundären Pflanzenstoffe, wird der Schwefel frei.

Zu Blähungen kommt es, wenn zu viel Gas produziert wird und/oder das Gas zu langsam aus dem Körper entweicht.

Blähungen durch Ernährung

In den meisten Fällen entsteht ein aufgewölbter Bauch durch eine falsche oder sehr ballaststoffreiche Ernährung.

Wer üppige Speisen mit viel Fett oder Zucker isst, fördert die Gasbildung im Darm, denn wenn die eigene Verdauung überfordert ist und nicht ausreichend Verdauungsenzyme herstellen kann, gelangt schnell etwas unverdaute Nahrung in den Dickdarm. Dort übernehmen dann die ansässigen Mikroben die Verdauung – unter Bildung von Gasen.

Wer zudem noch sehr schnell isst und nebenbei viel redet, schluckt fast doppelt so viel Luft, wie jemand, der ruhig und entspannt isst. Die meiste Luft entweicht zwar durch Aufstoßen, aber etwas gelangt auch in den Darm. Ist im Darm bereits viel Gas enthalten, reicht schon etwas mehr, um Blähungen auszulösen.

Ballaststoffe sind Bestandteile der Nahrung, die wir selber nicht verdauen können. Wer an Ballaststoffe nicht gewöhnt ist und seine Darmflora plötzlich mit großen Mengen Gemüse und Vollkornprodukten konfrontiert, riskiert ebenfalls, dass die Bakterien zu viele Gase auf einmal produzieren.

Blähungen können auch Symptom einer Unverträglichkeit sein. Bei einer sogenannten Intoleranz besitzt der Dünndarm nicht mehr ausreichend Transporter, um bestimmte Zuckermoleküle (Fruktose, Laktose oder Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit) über die Darmwand ins Blut zu schleusen. Stattdessen wandern die Moleküle in den Dickdarm, wo sie von den Bakterien verstoffwechselt werden.

Wichtig zu wissen ist, dass Milch- und Fruchtzucker nicht nur in Milch und Obst enthalten sind. Fertigprodukte enthalten Laktose, Fructose und Sorbit sehr häufig als Geschmacksträger. Wenn Sie die Zucker weglassen wollen, um zu testen, ob Ihre Blähungen nachlassen, achten Sie unbedingt auf die Zutatenlisten. Zucker verstecken sich auch in herzhaften Fertiggerichten.

Stark blähende Nahrungsmittel sind z.B. Bohnen, Kohl, Zwiebeln, Schweinefleisch und frisches Brot. Auch kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol und Kaffee können Blähungen auslösen.

Blähungen durch einen stressigen Lebensstil

Wie bereits erwähnt, führt hektisches Essen oft dazu, dass man sehr viel Luft schluckt und damit die Menge an Gas in seinem Darm erhöht.

Viel entscheidender bei Stress ist jedoch die Anspannung, mit der man Stress (auch Sorgen oder Ängsten) begegnet. Man atmet flach und spannt seinen Bauch und damit auch seinen Darm an. Verkrampft der Darm, wird er enger und verstopft schneller. Luft kann schlechter entweichen und staut sich im Bauch. Die Folge sind Blähbauch und Bauchschmerzen.

Wer langanhaltend Stress hat, versucht zudem oft, Zeit einzusparen. Das geht ganz schnell, wenn man das morgendliche Joggen weglässt oder den abendlichen Spaziergang. Weniger Bewegung bedeutet auch weniger Bewegung für den Darm. Das kann auf lange Sicht ebenfalls zu einer stärkeren Anfälligkeit für Verstopfungen und damit Blähungen führen.

Blähungen in der Schwangerschaft

Bei Schwangeren ist der Progesteronspiegel stark erhöht. Dieses Hormon entspannt die Muskulatur von Organen, auch die des Darms, wodurch sich die Verdauung verlangsamt. Zwar hat der Darm dadurch mehr Zeit, die Nahrung zu verdauen und aufzunehmen, aber auch die Bakterien haben mehr Zeit und wandern eventuell sogar etwas höher hinauf in den Dünndarm.

Blähungen bei Babys

Vor allem in den ersten drei Monaten haben Babys häufig mit Blähungen zu kämpfen. Woran das liegt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Man vermutet, dass der Darm noch nicht vollständig ausgebildet ist und sich erst an die Verdauungsarbeit gewöhnen muss. Auch das Zusammenspiel mit der Darmflora muss sich vermutlich erst einpendeln.

Sicher ist, dass Babys beim Trinken sehr viel Luft schlucken. Um diese Luft wieder aus dem Magen zu lassen, ist es wichtig, dass die Babys nach dem Trinken ein Bäuerchen machen.

Blähungen durch Medikamente

Einige Medikamente können als Nebenwirkungen Blähungen bedeuten. Dazu zählen viele blutzuckersenkende Mittel, entzündungshemmende Medikamente, Abführmittel und Antibiotika.

Antibiotika schwächen die Darmflora stark. Regenerieren nach der Behandlung zuerst Bakterienstämme, die zu starker Gasbildung neigen, kann die neue Darmflora dauerhaft dazu führen, dass Sie künftig häufiger und stärker Blähungen bekommen.

Blähungen durch Krankheiten

Fast immer sind Blähungen harmlos. Wenn Sie jedoch nahezu täglich unter Blähungen leiden und zusätzlich weitere Symptome zeigen wie z.B.

  • Schmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Gewichtsverlust
  • Appetitlosigkeit
  • Unregelmäßiger Stuhlgang mit Verstopfungen und Durchfällen

dann sollten Sie die Ursache unbedingt von einem Arzt abklären lassen. Viele der folgenden Krankheiten sind eher selten, aber durchaus möglich. Blähungen sind eines ihrer Symptome:

  • Magenlähmung
  • Darmlähmung
  • Intestinalen Pseudoobstruktion
  • Darmkrebs
  • Bakterielle Fehlbesiedlung im Darm
  • Zöliakie
  • Kurzdarmsyndrom
  • Reizdarmsyndrom
  • Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse
  • Pfortaderhochdruck
  • Herzschwäche

Blähungen – Was hilft?

Blähungen sind zwar nicht angenehm, gehen aber meist ganz schnell von alleine weg. Wenn Sie doch etwas hartnäckiger sind, können einige der folgenden Tipps Ihnen vielleicht helfen.

Wenn Ihre Blähungen jedoch sehr stark sind und immer wiederkehren, lassen Sie sich bitte von Ihrem Arzt untersuchen. Falls Ihre Blähungen Symptome einer Krankheit sind, gehört die Behandlung in die Hände eines erfahrenen Arztes.

Bewegung

Als Hausmittel der ersten Wahl empfiehlt sich Bewegung. Machen Sie sich Musik an, ziehen Sie die Vorhänge zu und tanzen Sie. Sie können auch Yoga machen, Joggen gehen oder mit Ihrem Kind zusammen Purzelbäume schlagen.

Wenn der Darm in Bewegung kommt, lösen sich Verspannungen und die angestaute Luft kann entweichen. Denn ist zu viel Gas gebildet worden, hilft es nur, dieses herauszulassen.

Heilkräuter-Tees

Ebenfalls sehr hilfreich, um zu entblähen und den Darm zu entspannen sind Tees aus Kümmel, Fenchel oder Anis.

Für einen Kümmeltee z.B.:

  • Erwachsene: 1 TL Samen mit einem Mörser andrücken und 2 Minuten in 250 ml Wasser kochen. Den Tee eine Viertelstunde vor und eine Stunde nach dem Essen trinken.
  • Kinder ab 4 Jahre: 1 TL Samen mit dem Mörser zerstoßen und mit 250 ml siedendem (nicht kochendem) Wasser aufgießen. Abgedeckt 15 Minuten ziehen lassen. Vor oder nach dem Essen trinken. Bei Bedarf dreimal täglich.
  • Bei Säuglingen: 3 bis 5 Samen in 5 EL heißem Wasser für 10 Minuten ziehen lassen. Samen herausnehmen. Tee mehrmals am Tag ins Fläschchen zur Milch dazugeben.

Heilkräuter-Massage und -Wickel

Um Bauchschmerzen zu lindern, die durch Blähungen hervorgerufen wurden, helfen sanfte Bauchmassagen mit Kümmel- oder Melissenöl. Dazu mehrere Minuten mit sanftem Druck das verdünnte Öl im Uhrzeigersinn in den Bauch einreiben.

Für einen Kamillen- oder Melissenwickel 2 gehäufte TL getrocknete Kamillenblüten bzw. Melissenkraut mit 500 ml heißem Wasser übergießen und 3 Minuten abgedeckt ziehen lassen. Kompresse oder Wickelinnentuch in den Tee eintauchen, auswringen und wickeln. Den Wickel bei Bedarf dreimal täglich für etwa eine halbe Stunde anwenden.

Für eine stärkere Wirkung eine warme Wärmflasche auf den Wickel legen.

Achtung! Wickel nicht bei Durchfall, Fieber oder Blinddarmentzündung anwenden. Auch bei Allergien gegen Korbblütler sehen Sie bitte von Kamille und Melisse als Heilpflanzen ab.

Änderung des Lebensstils

Wer oft unter Blähungen leidet, sollte prüfen, woran es liegt.

Haben Sie Stress, sollten Sie sich fragen, wie Sie ihn in Zukunft vermeiden können. Gibt es Aufgaben, die Sie abgeben können? Kann Ihnen jemand bei Ihren Aufgaben helfen? Drastische Schritte wie z.B. ein Arbeitsplatzwechsel wollen gut überlegt sein, aber nehmen Sie sich die Zeit, darüber nachzudenken, was Ihnen wirklich wichtig ist und wie Sie alles andere vermeiden können.

Ist der Stress bereits da, helfen Entspannungstechniken wie Achtsamkeitsübungen oder Meditation, um ihn wieder abzubauen. Auch Sport, Musik hören oder ein gemeinsamer Abend mit Freunden lässt Anspannung wegfallen. Sie wissen am besten, was Ihnen guttut. Nur, tun Sie es. Sie leben schließlich auch für sich.

Änderung der Ernährung

Essen Sie immer sehr reichhaltige, große, fettige oder zuckrige Speisen? Dann versuchen Sie es einmal mit kleineren und leicht verdaulichen Mahlzeiten.

Wenn Sie denken, Sie ernähren sich bereits sehr gesund, können Sie testen, ob eine leichte Reduktion der Ballaststoffe Ihnen Linderung verschafft. Auch ist gedünstetes oder gekochtes Gemüse leichter verdaulich, als wenn Sie es roh essen.

Der Hype um Smoothies wirkt auf den ersten Blick sehr gesund. Und ja, Obst ist gesund. Aber vergessen Sie nicht, dass ein großer Becher mit sehr viel Obst auch sehr viel Fruktose bedeutet. Nicht jeder verträgt so viel Fruktose auf einmal.

Testen Sie verschiedene Veränderungen in Ihrer Ernährung und halten Sie in einem kurzen Ernährungstagebuch fest, ob und wie stark Sie Blähungen haben. Vielleicht finden Sie auf diesem Weg schnell zu Ihrer persönlichen, idealen Ernährung.

Was Sie auf jeden Fall in Ihre Ernährungsgewohnheiten aufnehmen sollten, ist Ruhe. Nehmen Sie sich Zeit und essen Sie mit Genuss. Das wird bei den meisten Menschen schon helfen, die Verdauungsbeschwerden zu reduzieren.

Ein weiterer Tipp für weniger Verdauungsbeschwerden ist die Verwendung verdauungsfördernder Gewürze, wie z.B. Anis, Kümmel, Ingwer oder Kurkuma. Integrieren Sie sie öfter in Ihre Mahlzeiten, besonders, wenn Sie blähende Speisen wie Bohneneintopf oder Kohlrouladen zubereiten.

Auch ein Glas stilles Wasser, vor dem Essen getrunken, kann den Darm vor einem deftigen Gang ruhig stimmen.

Medikamente

Gegen akute Blähungen helfen entschäumende Mittel wie Simethicon-Tropfen. Diese Medikamente setzen die Oberflächenspannung der Schaumbläschen herab, die bei der Verdauung des Nahrungsbreis entstehen. Dadurch können die in den Bläschen enthaltenen Gase entweichen und ins Blut übergehen oder direkt über den Enddarm abgehen.

Liegt der Grund für Ihre Blähungen in einem Mangel an Verdauungsenzymen, können diese per Kapseln oder Tropfen zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Wenn Sie Ihre Nahrung besser verwerten gelangt weniger unverdaute Nahrung in den Dickdarm, wo Ihr Mikrobiom diese unter Bildung von Gasen verstoffwechseln würde.

Bei Blähungen mit Bauchschmerzen helfen entkrampfende Medikamente.